Bahnfahren ist bequem, schnell und stressfrei. Wer jedoch auf dem Land wohnt, hat es gar nicht so leicht, ohne Auto zum Bahnhof zu kommen. Auf den ersten Blick gibt es zwar auch abseits der Großstadt zahlreiche Buslinien. Viele davon sind jedoch nur zu Schulzeiten unterwegs, fahren weite Umwege oder verpassen gerade den Anschluss. Häufig gehen die Ansprüche an eine Buslinie weit auseinander – auf der einen Seite soll sie den Schülerverkehr genüge tun, der auf feste Schulzeiten ausgerichtet ist und andererseits soll der Bus Teil eines vertaktetes System sein, mit der Bahn als festem Taktgeber.

Mit dem Modellvorhaben Nahverkehrplus Muldentaldreieck will der ZVNL jetzt gemeinsam mit dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund, der dabei federführend ist, dem Landkreis Leipzig und der Personenverkehrsgesellschaft Muldental (PVM) neue Wege gehen. In einem Gebiet, das von den Städten Grimma, Colditz und Bad Lausick begrenzt wird, soll das Busangebot so überarbeitet werden, dass es auch für den Berufs- und Freizeitverkehr interessant wird und deutlich mehr Fahrgäste auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umsteigen. Dabei geht es nicht nur um gute Anschlüsse zu Nahverkehrszügen, sondern um eine grundsätzliche Verbesserung der ÖPNV-Anbindung des ländlichen Raums trotz sinkender Bevölkerungszahlen. Diese käme neben den Fahrgästen und den Betreibern des Systems auch den Kommunen zu Gute, die von einem erheblichen Standortvorteil profitieren würden.

Wie diese Aufgabe gelingen kann, soll im Rahmen des Modellvorhabens untersucht werden. Als mögliche Bausteine sehen die vier Partner unter anderem die Überarbeitung des Liniennetzes, die Einrichtung von zusätzlichen Haltestellen, merkbare Abfahrtszeiten, die Ausweitung des Angebotes am Wochenende und die Verbesserung von Anschlüssen an die Bahn. Auch ein abgestuftes Konzept mit kleinen Ortslinien und schnellen Regionallinien ist denkbar. Dabei soll sich das Busangebot keinesfalls auf die starken Achsen konzentrieren, sondern flächendeckend ein gutes Angebot schaffen. Da das gesamte Angebot trotz aller Anforderungen bezahlbar bleiben muss, sollen auch alternative Bedienformen wie Rufbusse oder Kooperationen mit lokalen Partnern und Initiativen in Betracht gezogen werden.

Nach einer Fachexkursion zum Auftakt im Frühjahr und der Einbindung der betroffenen Städte beginnt nun im Herbst die planerische Arbeit. Die ersten Ergebnisse der Analysephase sollen schon bis zum Ende dieses Jahres vorliegen. Anschließend werden verschiedene Varianten für eine Überarbeitung des Liniennetzes und des Fahrplanangebots sowie Ideen für eine verbesserte Fahrgastinformation entwickelt und bewertet. Die Umsetzung der ersten Maßnahmen ist für das Jahr 2015 vorgesehen. Ob der gewünschte Erfolg trotz begrenzter Mittel eintritt, wird sich zeigen. Bereits jetzt steht jedoch fest: Die im Muldentaldreieck gesammelten Erfahrungen sollen auch weiteren Regionen im Mitteldeutschen Verkehrsverbund zu Gute kommen.