Aus Anlass der Vorstellung des Ersatzkonzepts der DB Regio Südost am 14.08.2019 für den Betrieb des Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes (MDSB-Netz) ab dem Ferienende (19.8.2019) bestehen die Aufgabenträger des MDSB-Netzes auf der Vertragserfüllung und sehen die DB Regio AG in der Pflicht, für eine ausreichende Anzahl verfügbarer Fahrzeuge zu sorgen.

Seit mehreren Wochen verschlechtert sich die Verfügbarkeit der auf den Linien S1, S3, S4, S5/S5X und S 6 im Mitteldeutschen S-Bahn-Netz eingesetzten Fahrzeuge. Verantwortlich dafür sind Probleme von DB Regio Südost als Betreiber des MDSB-Netzes bei der Bereitstellung von Ersatzteilen und Instandhaltungskapazitäten für die ET 442 (Elektrische Triebfahrzeuge Talent 2), die seit Ende 2013 in Mitteldeutschland im Einsatz sind. Konkret betroffen seien nach Aussage von DB Regio die Drehgestelle sowie die Fahrmotoren, deren planmäßige Instandsetzung durch Lieferengpässe bei den Zulieferfirmen ins Stocken geraten sei. Darüber hinaus gibt es anscheinend organisatorische Mängel in der Zuführungsplanung zur Werkstatt sowie generell im Flottenmanagement der DB Regio Südost, was umso schwerer wiegt, als es sich um seit Jahren geplante Instandhaltungsmaßnahmen handelt.

Nach Bekanntwerden der Fahrzeugprobleme hatte sich der ZVNL als federführender Aufgabenträger mit DB Regio Südost auf ein Ersatzkonzept verständigt, das längstens bis zum Beginn der Sommerferien galt. Dieses Ersatzkonzept beinhaltete die Zusammenlegung der S1 mit der S6, dadurch fuhr die S6 ab Leipzig Hbf bis Miltitzer Allee. Die von der S6 nicht mehr bedienten Halte Leipzig Nord und Essener Straße wurden aber noch von weiteren Linien des S-Bahnnetzes bedient. Entgegen der Zusagen nimmt DB Regio Südost das Ersatzkonzept jetzt nach den Sommerferien wieder auf, hat eine Verlängerung bis Oktober 2019 angekündigt und weitet es zudem erheblich aus. Neben der Verknüpfung von S1 und S6 entfällt die ab Ende September vom ZVNL bestellte und von DB Regio zugesagte Angebotsausweitung der S3 nach Markkleeberg-Gaschwitz; die S3 verkehrt dann nur noch bis Halle (Saale) Hbf, der Abschnitt Halle (Saale) Hbf – Halle-Trotha soll mit Ersatzfahrzeugen gefahren werden. Die S4 fährt nur noch bis Ruhland und die S5 nur noch bis Altenburg. Der S4-Abschnitt Ruhland – Hoyerswerda wird wie bisher zweistündlich, jedoch mit einem Fahrzeugersatzkonzept bedient. Der S5-Abschnitt Altenburg – Zwickau wird ebenfalls zweistündlich mit einem Fahrzeugersatzkonzept bedient. Lediglich die Linien S 5 / S 5x und S7 bleiben unberührt und verkehren weiterhin stündlich Halle (Saale) Hbf – Zwickau Hbf und halbstündlich Halle (Saale) Hbf – Halle-Nietleben. Ebenfalls von Angebotsänderungen unberührt sind die in einem anderen Vertrag bei DB Regio Südost gebundenen Linien S2, S8 und S9. Hier kommen die ET 442 neuerer Bauart sowie auf der S9 auch ersatzweise lokbespannte Doppelstockzüge zum Einsatz.

Die Verantwortung für die Verlängerung und Ausweitung des Ersatzkonzeptes in Teilen des MDSB-Netzes liegt allein bei der DB Regio Südost. Statt den Fahrgästen weitere Einschränkungen im Angebot zuzumuten, verlangen die Aufgabenträger des MDSB-Netzes (dies sind der ZVNL, das Land Sachsen-Anhalt, der Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen, der Freistaat Thüringen, der Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe sowie das Land Brandenburg) von der DB Regio, ausreichend einsatzfähige und taugliche Fahrzeuge bereitzustellen. Genau dies hatte der DB Regio-Vorstand bei der Ausschreibung des MDSB-Netzes im Jahre 2010 im Rahmen einer Verpflichtungserklärung für den Bedarfsfall zugesagt. Dass der Bedarf zum Einlösen des seinerzeitigen Versprechens besteht, ist angesichts der derzeitigen desolaten Fahrzeugsituation offensichtlich.

Karte Ersatzkonzept