Der ZVNL und seine Aufgaben

Der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) plant, organisiert und finanziert den regionalen Schienenpersonennahverkehr (SPNV). Als einer von fünf Aufgabenträgern im Freistaat Sachsen ist er für die Stadt und den Landkreis Leipzig sowie den Landkreis Nordsachsen zuständig. Auf diesem Gebiet sorgt der ZVNL dafür, dass den Bewohnern und Gästen des Großraums Leipzig ein attraktives und zuverlässiges Angebot an Regionalverbindungen bereitgestellt wird. In dieser Funktion übernimmt der ZVNL im Einzelnen folgende Aufgaben:

Nahverkehrsplanung

Eine Aufgabe des ZVNL ist die fortschreitende Planung des SPNV in der Region Leipzig, die im Nahverkehrsplan für alle Akteure des SPNV verbindlich festgeschrieben wird. Als wichtiges Planungsinstrument enthält der Nahverkehrsplan die Analyse aktueller Verkehrsbedingungen, Verkehrsprognosen, grundlegende Vorgaben zur Fahrplangestaltung sowie tragfähige Konzepte für den Ausbau des Streckennetzes und der Finanzierung des SPNV. Im Rahmen der Nahverkehrsplanung kooperiert der ZVNL mit den wichtigen Akteuren des ÖPNV im Raum Leipzig und übernimmt die Abstimmung mit den benachbarten Aufgabenträgern des SPNV sowie dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund.

Neben der Entwicklung eigener Ideen und Konzepte für den Ausbau des SPNV greift der ZVNL auch Ideen von Verkehrsunternehmen, Kommunen und Infrastrukturunternehmen auf. Die Vorschläge werden hinsichtlich ihrer Notwendigkeit und Finanzierbarkeit geprüft und in den Nahverkehrsplan integriert. Ob der Ausbau der Sachsenmagistrale, der City-Tunnel in Leipzig oder die Sanierung von Bahnhöfen – der ZVNL schiebt neue Projekte an.

Fahrplangestaltung

Der ZVNL gestaltet den Fahrplan für den regionalen Nahverkehr auf der Schiene maßgeblich mit. Seine zentrale Aufgabe ist die Planung, Abstimmung und Koordinierung des regionalen Fahrplanangebots, das sich nahtlos in den gesamtdeutschen Fahrplan einfügen muss. So bestellt er auf Grundlage des aktuellen Bedarfes bei den einzelnen Eisenbahn-Verkehrsunternehmen das Fahrplanangebot. Diese arbeiten ihre Fahrpläne im Detail aus und setzen sie im Rahmen der infrastrukturellen Möglichkeiten um. In dem gesamten Prozess ist der ZVNL dafür verantwortlich, die zuweilen divergierenden Interessen aller beteiligten Aufgabenträger mit denen des ZVNL zu koordinieren, ohne die Strukturen des aufgebauten Taktsystems zu zerstören.

Vergabe von Leistungen

Der ZVNL ist kein Verkehrsunternehmen und verfügt somit weder über Züge noch beschäftigt der Verband Lokführer. Vielmehr schließt er langjährige Verkehrsverträge mit Eisenbahn-Verkehrsunternehmen ab, die den regionalen Personennahverkehr in seinem Auftrag übernehmen. Ziel ist es, durch mehr Wettbewerb die Qualität des Nahverkehrs auf der Schiene nachhaltig zu steigern. Um den wirtschaftlichsten Anbieter zu ermitteln und die Qualität für die Fahrgäste auf einem hohen Niveau zu halten, schreibt der ZVNL die Vergabe der Verkehrsleistungen europaweit aus. Der ZVNL agiert somit im Interesse der Bürgerinnen und Bürger sowohl als Steuerzahler wie auch als Fahrgast des Nahverkehrs auf der Schiene.

Die Verträge enthalten klare Vorgaben zur Gestaltung des SPNV, deren Einhaltung durch ein umfassendes Controlling des ZVNL laufend überwacht wird. Die Vorgaben betreffen unter anderem den Fahrplan, die Anzahl der Zugbegleiter sowie die Leistung und Ausstattung der Züge. So wurde beispielsweise auf den Linien Leipzig-Gera, Leipzig-Dresden und Leipzig-Cottbus der Einsatz moderner, spurtstarker Fahrzeuge erreicht. Diese verfügen über niedrige Einstiege, eine Klimatisierung, ein modernes Fahrgastinformationssystem und behindertengerechte Toiletten. Häufig werden mit dem Beginn neuer Verträge auch neue Linienkonzepte umgesetzt – wie zum Beispiel das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz (ab Dezember 2013), das neue Fahrplankonzept Leipzig – Gera (seit Juni 2012) und die neue durchgehende Verbindung Leipzig – Erfurt (ab Dezember 2015).

Finanzierung des Nahverkehrs

Die Fahrgeldeinnahmen der einzelnen Verkehrsunternehmen sind nicht kostendeckend. Daher zahlt der ZVNL im Auftrag von Bund und Freistaat Sachsen jährlich über 95 Millionen Euro als Zuschüsse an die beauftragten Unternehmen und unterstützt Kommunen und Unternehmen mit Fördermitteln beim Ausbau der Infrastruktur für den ÖPNV. Darüber hinaus finanziert der ZVNL in begrenztem Umfang ein Netz regional bedeutsamer Buslinien („Integriertes Netz“), um eine bessere Verknüpfung zwischen dem schienen- und straßengebundenen ÖPNV (Bus) zu erreichen. Zudem fördert er die Modernisierung und den Ausbau der Bahnhöfe und Stationen im Verbandsgebiet Leipzig. Alle Leistungen werden aus den Regionalisierungsmitteln des Bundes finanziert, die dem ZVNL vom Freistaat Sachsen zugewiesen werden.

Ausbau der Infrastruktur

Das Schienennetz im Gebiet des ZVNL umfasst rund 500 km Bahnstrecken mit über 100 Verkehrsstationen. Pro Jahr werden darauf etwa 10,9 Mio. Zugkilometer gefahren. Damit die Nahverkehrszüge schnell und pünktlich fahren, sorgt der ZVNL auf Grundlage der Nahverkehrsplanung für einen kontinuierlichen Ausbau des Schienennetzes, der Bahnhöfe und Stationen.

Die aktuelle Nahverkehrsplanung beruht auf einer Potentialanalyse, die im Jahr 2005 zum gesamten Netz durchgeführt wurde, und einer Bestandsaufnahme des aktuellen Mittelbedarfs, die mit dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) durchgeführt wurde. Auf dieser Grundlage treibt der ZVNL den Ausbau der Infrastruktur kontinuierlich voran und übernimmt die Abstimmung der Infrastrukturmaßnahmen mit den einzelnen Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen. Größere Vorhaben werden häufig im Zusammenhang mit dem Betriebsstart neu ausgeschriebener Verkehrsleistungen umgesetzt. Dabei legt der ZVNL besonderen Wert auf einen barrierefreien Ausbau der Anlagen, eine Verbesserung der sozialen Sicherheit an den Stationen und verbesserte Umsteigebedingungen auch zum Busverkehr sowie durch den Bau von Park-and-Ride-Parkplätzen im motorisierten Individualverkehr.

Qualitätsüberwachung

Für ein gleichbleibend gutes Fahrgastangebot hat der ZVNL mit jedem beauftragten Verkehrsunternehmen Qualitätsstandards vereinbart. Diese umfassen unter anderem Vorgaben zur Pünktlichkeit, Sauberkeit und Fahrgastinformation. Aber auch der Einsatz von Zugbegleitern, die Bereitstellung von Ersatzverkehr bei Zugausfällen und die ausschließliche Nutzung von schadensfreien Fahrzeugen sind darin verbindlich festgelegt.

Ob die Qualitätsstandards in der Praxis eingehalten werden, zeigen Kennzahlen, die von den Verkehrsunternehmen zu erfassen sind und beim ZVNL gesammelt und ausgewertet werden. Zur Überprüfung führt der ZVNL stichprobenartig Kontrollen durch und gleicht deren Ergebnisse mit den zugearbeiteten Daten der Verkehrsunternehmen ab. Bei regelmäßig auftretenden oder gravierenden Qualitätsmängeln wird gemeinsam mit dem jeweiligen Verkehrsunternehmen nach Lösungen gesucht. Bis zur Behebung der Mängel kürzt der ZVNL seine Ausgleichszahlungen an das Unternehmen entsprechend der im Vertrag getroffenen Regelungen und sorgt damit für eine rasche Qualitätsverbesserung.

Spezielle Fahrgastangebote

Um den Schienenpersonennahverkehr attraktiver zu gestalten, setzt sich der ZVNL mit speziellen Fahrgastangeboten für die Bedürfnisse der Fahrgäste ein: So finanziert der ZVNL bei erhöhtem Verkehrsbedarf – wie beispielsweise zu überregionalen Großveranstaltungen – extra bestellte Sonderzüge, die von den Fahrgästen zu den regulären Tarifen genutzt werden können. Dank des ZVNL ist zudem im Nahverkehrsnetz des Verbandes die Fahrradmitnahme kostenlos möglich. Darüber hinaus hat der ZVNL erreicht, dass in Zukunft immer mehr Linien mit Zugbegleitern fahren, so dass die Fahrgäste auch im Zug Fahrscheine erwerben können. Dies betrifft insbesondere die Linien der Mitteldeutschen Regiobahn und des Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes.