Der Landkreis Nordsachsen bringt seinen öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) weiter in Schwung. „Nordsachsen bewegt“ heißt das Mobilitätsprojekt, für das in diesen Tagen die Finanzierungsunterlagen beim Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) eingereicht werden. Auch der Ausschuss für Umwelt und Technik sowie der Finanzausschuss des Kreistages haben sich noch vor der Sommerpause mit den Plänen befasst. Womit quasi der Startschuss gefallen wäre: „Wir legen aber nicht an einem bestimmten Datum den Schalter um und sagen, dass jetzt alles besser wird. Für uns ist ,Nordsachsen bewegt‘ vielmehr ein Entwicklungs- und Erprobungsprojekt über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren“, sagt die zuständige Dezernentin Angelika Stoye. „Das wird ein fließender Prozess, bei dem wir den gesamten Landkreis im Blick haben und bedarfsgerechte Lösungen für die einzelnen Regionen schaffen wollen. Dafür sind noch einige Untersuchungen nötig, da werden wir auch immer wieder nachjustieren müssen.“ Allein das Busnetz in Nordsachsen ist in fünf sogenannte Linienbündel unterteilt, die von fünf Busunternehmen und deren Vertragspartnern bedient werden. Für jedes Bündel gibt es derzeit ein eigenes Rufbussystem, das sich in den Modalitäten von den anderen unterscheidet. Künftig wird es hingegen eine Mobilitätszentrale für alle mit einheitlichen Bedien- und Bestellstandards geben. Auch an digitale Buchungsangebote ist gedacht.

Der Leiter des nordsächsischen Straßenverkehrsamtes, Klaus Huth, sieht drei Säulen, die das Mobilitätsprojekt tragen: „Taktnetz, integrale Taktknoten und intelligente, alternative Bedienformen.“ Die Mitteldeutsche S-Bahn bildet die Achsen, an denen in größeren Städten zentrale Umsteigepunkte geschaffen werden. Dort wiederholt sich die Mehrzahl der Verbindungen in regelmäßigen Abständen zu einprägsamen Uhrzeiten als „Rendezvous-Anschluss“. Wenn in Torgau beispielsweise die S-Bahn aus Leipzig eintrifft, stehen die Busse dort fünf Minuten vor und nach deren Ankunft bereit, um dann die Fahrgäste in alle Himmelsrichtungen weiter zu befördern. Dadurch ist der Umstieg vom Bus zur Bahn, von der Bahn zum Bus sowie unter allen wartenden Bussen innerhalb kurzer Zeit möglich.

Bereits ab August wird „Nordsachsen bewegt“ zu spüren sein. So werden beispielsweise die Fahrten zwischen Delitzsch und Bad Düben nahezu verdoppelt und in einen einheitlichen, leicht verständlichen Takt gebracht. In Delitzsch besteht dann ein direkter Anschluss an die S-Bahn von und nach Leipzig. „Vertaktete Erschließung“ nennen das die Fachleute.

Auch im Raum Torgau/Oschatz verbessert sich kurzfristig die Lage: Hier entstehen zwei neue PlusBus-Linien, eine beschleunigte PlusBus-Linie zwischen Torgau und Oschatz sowie eine neue Zwei-Stunden-Takt-Linie. „Im vergangenen Jahr konnten nur etwa 50 Prozent der Bevölkerung in dieser Region von einem höherwertigen ÖPNV-Netz profitieren. Noch in diesem Jahr werden es schon 70 Prozent sein“, kündigt Landrat Kai Emanuel (parteilos) an, der zugleich ZVNL-Vorsitzender ist und damit einen wachen Blick auf die Entwicklung des Nahverkehrsraumes hat.

Mobilität auch für Menschen in dünn besiedelten, sehr ländlich geprägten Gebieten zu gewährleisten, liegt dem Landrat besonders am Herzen. So hat er sich im Bürgerbus Arzberg bei dessen Inbetriebnahme im Frühjahr gleich selbst hinters Lenkrad gesetzt und damit für einige Aufmerksamkeit gesorgt. „Die Zentren und Verkehrsachsen zu stärken, ist die eine wichtige Seite unseres Projekts“, sagt Kai Emanuel. „Das Grundangebot an ÖPNV durch innovative und bedarfsorientierte Bedienformen zu verbessern und diese leicht zugänglich zu gestalten, ist die andere, genauso wichtige.“ Ziel sei es letztlich, Mobilität überall im Landkreis zu gewährleisten – mit unterschiedlichen Instrumenten zwar, die aber in orchestraler Harmonie alle dasselbe Stück spielen: Nordsachsen bewegt.